Was dein Fernseher alles über dich weiß: Diese versteckte Funktion solltest du jetzt deaktivieren

Die meisten Nutzer ahnen nicht, dass ihr Fernseher heimlich mitschaut. Während du gemütlich auf der Couch sitzt und deine Lieblingsserie streamst oder eine Runde mit der PlayStation zockst, läuft im Hintergrund eine raffinierte Überwachungstechnologie: Automatic Content Recognition, kurz ACR. Diese Funktion zeichnet penibel auf, was auf deinem Bildschirm erscheint – und zwar wirklich alles. Smart TVs von Samsung, LG, Sony und anderen Herstellern nutzen diese Technologie, um deine Sehgewohnheiten zu erfassen und daraus profitable Nutzerprofile zu erstellen.

Was genau ist ACR und warum sollte dich das interessieren?

Automatic Content Recognition ist eine clevere Technik, die Bild- und Toninformationen analysiert und mit einer riesigen Datenbank abgleicht. Dein Smart TV erstellt dabei regelrecht einen digitalen Fingerabdruck von allem, was über den Bildschirm flimmert. Die Technologie arbeitet dabei unterschiedlich intensiv: LG-Fernseher erfassen das Bild etwa alle zehn Millisekunden, während Samsung-Geräte alle 500 Millisekunden zugreifen. Samsung überträgt dafür aber deutlich größere Datenmengen an seine Server.

ACR unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen linearem Fernsehen oder deiner angeschlossenen Xbox. Interessanterweise gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme: Bei etablierten Streaming-Diensten wie Netflix und YouTube ist ACR deaktiviert. Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Plattformen entsprechende Vereinbarungen mit den TV-Herstellern abgeschlossen haben. Für externe HDMI-Zuspieler wie Spielekonsolen oder Laptops werden hingegen tatsächlich oft höhere Datenmengen erfasst und übertragen.

Die gesammelten Informationen wandern direkt zum Hersteller deines Fernsehers und werden dort ausgewertet. Was harmlos klingt, hat weitreichende Konsequenzen für deine Privatsphäre. Diese Datensammlungen verraten nämlich viel mehr über dich, als du vielleicht denkst: Wann schaust du fern? Welche politischen Präferenzen lassen deine Nachrichtensender vermuten? Interessierst du dich für Fitness, Finanzen oder Gaming?

Der lukrative Handel mit deinen Sehgewohnheiten

Hier wird es richtig spannend – oder beunruhigend, je nachdem wie man es betrachtet. Die TV-Hersteller sitzen auf einer Goldgrube an Informationen. Während die Gewinnmargen beim Verkauf der Hardware schrumpfen, haben Unternehmen wie Samsung, LG oder Sony längst ein lukratives Zusatzgeschäft entdeckt: den Verkauf deiner Nutzungsdaten.

Diese Informationen sind für Werbetreibende extrem wertvoll. Ein Autohersteller zahlt gutes Geld dafür zu wissen, welche Haushalte sich Motorsport-Inhalte ansehen. Fitness-Studios wollen wissen, wer regelmäßig Workout-Videos schaut. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Deine Sehgewohnheiten werden kategorisiert, analysiert und in detaillierte Nutzerprofile verwandelt, die dann für personalisierte Werbung genutzt werden.

Das Geschäftsmodell hinter deinem Bildschirm

Viele fragen sich, warum Smart TVs im Vergleich zu herkömmlichen Fernsehern oft erstaunlich günstig sind. Die Antwort liegt auf der Hand: Du bist nicht nur Kunde, sondern auch Produkt. TV-Hersteller kalkulieren mittlerweile fest damit, über die Lebensdauer des Geräts durch Datenverkauf Geld zu verdienen. Die Datenwirtschaft ist zu einem zentralen Bestandteil der Geschäftsmodelle geworden – ein Umstand, der auch die US-Wettbewerbsbehörde auf den Plan gerufen hat. 2017 verklagte die FTC den amerikanischen Hersteller Vizio, weil das Unternehmen ohne ausreichende Zustimmung der Nutzer ACR verwendete und Daten von über elf Millionen Fernsehern sammelte.

So findest du heraus, ob dein TV dich ausspioniert

In Europa ist die Nutzung von ACR an deine ausdrückliche Zustimmung gebunden. Samsung erklärt beispielsweise, dass die Technologie nur zum Einsatz kommt, wenn Nutzer per Opt-in ausdrücklich der Erhebung und Verarbeitung von Daten eingewilligt haben. Die Realität sieht allerdings oft anders aus: Viele Nutzer klicken bei der ersten Einrichtung des Geräts unüberlegt auf „Akzeptieren“, ohne genau zu lesen, wozu sie da eigentlich ihre Einwilligung geben.

Die Formulierungen sind oft bewusst vage gehalten und die entsprechenden Optionen tief in den Menüs versteckt. Da ist die Rede von „Verbesserung des Nutzererlebnisses“, „personalisierten Empfehlungen“ oder „Teilnahme an Zuschauermessungen“. Hinter diesen wohlklingenden Begriffen verbirgt sich meist die ACR-Technologie.

Der Weg in die Einstellungen

Bei den meisten Smart TVs versteckt sich die ACR-Funktion tief in den Datenschutzeinstellungen. Je nach Hersteller trägt sie unterschiedliche Namen:

  • Samsung: „Viewing Information Services“ oder „SyncPlus and Marketing“
  • LG: „Live Plus“ oder „Channel Plus“
  • Vizio: „Smart Interactivity“ oder „Viewing Data“
  • Sony: „Samba Interactive TV“ oder „Nutzungsbasierte Dienste“
  • Panasonic und Philips: ebenfalls „Samba Interactive TV“
  • Hisense: „ACR & Ads“ in den Datenschutzeinstellungen

Der Weg dahin führt typischerweise über Menü, Einstellungen, Datenschutz oder Allgemein und dann Erweiterte Einstellungen. Es lohnt sich, jeden Menüpunkt mit „Daten“, „Personalisierung“ oder „Werbung“ im Namen gründlich durchzugehen. Die genaue Bezeichnung variiert je nach Modell und Baujahr.

Praktische Maßnahmen für mehr Privatsphäre

Die einfachste und wirksamste Methode: Deaktiviere sämtliche Tracking- und ACR-Funktionen. Du verlierst dadurch keine essentiellen Features. Dein Fernseher funktioniert weiterhin tadellos, zeigt Bilder in derselben Qualität und spielt alle Inhalte ab wie zuvor.

Was du möglicherweise verlierst, sind „personalisierte“ Empfehlungen und maßgeschneiderte Werbung – Features, auf die vermutlich die wenigsten Nutzer tatsächlich Wert legen. Interessanterweise berichten manche Nutzer sogar von einer verbesserten Performance, nachdem sie diese Funktionen deaktiviert haben, da der Fernseher nicht mehr permanent Daten verarbeiten und übertragen muss.

Die Netzwerktrennung als radikale Lösung

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann seinen Smart TV einfach vom Internet trennen. Das klingt kontraintuitiv – schließlich kauft man sich einen Smart TV ja gerade wegen der Online-Funktionen. Doch viele Nutzer verwenden ohnehin ausschließlich externe Geräte wie Apple TV, Nvidia Shield oder die PlayStation zum Streamen. In diesem Fall ist die Internetverbindung des Fernsehers selbst überflüssig. Apple TV gilt dabei als eine der sichersten Optionen für Streaming.

Der Vorteil: Ohne Online-Anbindung können die Fernseher kein ACR nutzen und keine Daten übertragen. Selbst wenn ACR aktiviert sein sollte, können die Daten nirgendwohin wandern. Der Nachteil: Manche TV-Modelle nerven mit wiederkehrenden Verbindungsaufforderungen oder schränken bestimmte Bildeinstellungen ein, wenn keine Internetverbindung besteht.

Alternative Ansätze für Technik-Affine

Wer technisch versiert ist, kann im Router spezifische Domains blockieren, die für die Datenübertragung zuständig sind. Mit einem Pi-hole-Setup lassen sich Tracking-Dienste netzwerkweit filtern. Diese Methode erfordert zwar etwas Einarbeitung, bietet dafür aber granulare Kontrolle darüber, welche Verbindungen dein Fernseher aufbauen darf.

Eine weitere Möglichkeit ist die Erstellung eines separaten VLAN für smarte Geräte mit eingeschränkten Berechtigungen. So kann der Fernseher zwar auf Streaming-Dienste zugreifen, aber keine Daten an die Server des Herstellers senden. Diese Lösung eignet sich besonders für Haushalte mit mehreren vernetzten Geräten, bei denen man die Kontrolle über den gesamten Datenverkehr behalten möchte.

Die Zukunft der TV-Überwachung

Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung noch ausgefeilterer Tracking-Methoden. Künstliche Intelligenz macht es möglich, nicht nur zu erkennen, welche Sendung läuft, sondern auch wie viele Personen vor dem Fernseher sitzen und wie aufmerksam sie zuschauen. Einige Premium-Modelle verfügen bereits über Kameras und Mikrofone, die theoretisch für solche Zwecke genutzt werden könnten.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Datenschutz. Regulierungsbehörden in den USA oder Datenschutzvorschriften in Europa zwingen Hersteller zu mehr Transparenz und räumen Nutzern mehr Rechte ein. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich das Spannungsfeld zwischen Geschäftsinteressen und Privatsphäre entwickelt. Klar ist: Als informierter Nutzer hast du die Werkzeuge in der Hand, selbst zu entscheiden, wie viel du von dir preisgeben möchtest. Dein Fernseher sollte zeigen, was du sehen willst – nicht umgekehrt.

Wusstest du dass dein Smart TV dich ausspioniert?
Ja und ich habe ACR deaktiviert
Ja aber es ist mir egal
Nein das schockiert mich
Mein TV ist offline
Ich nutze nur externe Geräte

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