Wenn unsere geliebten Samtpfoten in die Jahre kommen, verändert sich ihr Körper grundlegend. Was einst mühelos funktionierte – das Springen auf die Fensterbank, das gründliche Putzen des Fells, die problemlose Nahrungsaufnahme – wird plötzlich zur Herausforderung. Die Realität zeigt: Röntgenologische Untersuchungen weisen bei etwa 90 Prozent der Katzen über zwölf Jahren arthrotische Veränderungen nach, wobei schätzungsweise 45 Prozent aller Katzen tatsächlich klinische Symptome zeigen. Doch gerade in dieser Lebensphase brauchen unsere Fellfreunde uns mehr denn je.
Arthrose bei Katzen: Der stille Schmerz, den wir übersehen
Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Dieses evolutionäre Erbe macht es uns schwer, ihr Leiden rechtzeitig zu erkennen. Während Hunde bei Gelenkschmerzen deutlich humpeln, zeigen Katzen subtilere Veränderungen: Sie schlafen mehr, meiden Sprünge oder nutzen plötzlich die Katzentoilette nicht mehr – nicht aus Protest, sondern weil der Ein- und Ausstieg schmerzt. Studien von 2002 belegen, dass 80 Prozent der Katzen älter als zwölf Jahre Osteoarthritis im Bereich der Wirbelsäule haben und 90 Prozent in einem oder mehreren Gelenken der Beine.
Ernährungsstrategien gegen Gelenkbeschwerden spielen eine zentrale Rolle im Management der Arthrose. Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl wirken entzündungshemmend und werden als Unterstützung der Arthrose-Therapie empfohlen. Auch Grünlippmuschelextrakt zeigt positive Effekte auf die Gelenkgesundheit. Glucosamin und Chondroitin, lange Zeit als Nahrungsergänzung diskutiert, zeigen bei Katzen moderate Erfolge.
Zentral jedoch ist die Gewichtskontrolle: Übergewicht wird als wichtiger Faktor für Arthrose bei Katzen identifiziert. Jedes zusätzliche Gramm belastet schmerzende Gelenke. Gewichtsreduktion wird als einer der wichtigsten therapeutischen Ansätze beschrieben und kann die Beweglichkeit arthrotischer Katzen signifikant verbessern. Weiches oder eingeweichtes Futter schont gleichzeitig schmerzende Gelenke und Zähne, während L-Carnitin den Fettabbau ohne Muskelverlust unterstützt – besonders wichtig bei bewegungseingeschränkten Senioren.
Rutschfeste Unterlagen erleichtern das Aufstehen und Laufen, flache Katzentoiletten mit niedrigem Einstieg ermöglichen schmerzfreien Zugang. Diese kleinen Anpassungen im Alltag machen einen enormen Unterschied für die Lebensqualität arthrosegeplagte Katzen.
Chronische Niereninsuffizienz: Die schleichende Gefahr
Viele ältere Katzen entwickeln eine chronische Nierenerkrankung. Die Nieren arbeiten still und heimlich, bis ein Großteil ihrer Funktion verloren ist – erst dann werden Symptome wie vermehrtes Trinken, Gewichtsverlust und stumpfes Fell sichtbar. Die Ernährung wird zum wichtigsten Therapiepfeiler. Phosphatreduziertes Futter kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Hier liegt die Herausforderung: Katzen sind notorisch wählerisch. Ein abrupter Futterwechsel zu therapeutischer Nierendiät wird häufig verweigert. Die Lösung liegt in der Geduld: Mischen Sie über mindestens zwei Wochen das neue Futter schrittweise unter, beginnen Sie mit einem kleinen Anteil und steigern Sie langsam. Dehydrierung verschlimmert die Nierenschädigung, doch alte Katzen trinken oft zu wenig.
Trinkbrunnen mit fließendem Wasser wecken den Jagdinstinkt und animieren zur Flüssigkeitsaufnahme. Nassfutter mit zusätzlich eingerührtem Wasser erhöht die Flüssigkeitszufuhr unbemerkt. Manche Katzen bevorzugen Fleischbrühe ohne Salz und Gewürze als geschmackliche Alternative. Kaliumsupplementierung wird oft übersehen, ist aber wichtig: Nierenkranke Katzen können übermäßig Kalium verlieren, was zu Muskelschwäche und Appetitlosigkeit führt. Ein Blutbild gibt Aufschluss über den individuellen Bedarf.

Zahnprobleme: Wenn Fressen zur Qual wird
Mit zunehmendem Alter entwickeln viele Katzen Parodontalerkrankungen. Entzündetes Zahnfleisch, Zahnstein und lockere Zähne machen jede Mahlzeit zum schmerzhaften Erlebnis. Das Heimtückische: Viele Katzen fressen trotz massiver Zahnprobleme weiter – aus purem Überlebenswillen. Die Lösung liegt nicht nur in regelmäßigen Zahnsanierungen unter Narkose, sondern auch in ernährungstechnischen Anpassungen.
Weiche Pasten oder Mousse-Varianten erleichtern die Nahrungsaufnahme erheblich. Entgegen der landläufigen Meinung reinigt Trockenfutter die Zähne nicht – im Gegenteil, harte Brocken können bei geschädigten Zähnen zusätzliche Schmerzen verursachen. Enzymatische Zahnpasten speziell für Katzen, regelmäßig auf das Zahnfleisch aufgetragen, reduzieren bakterielle Beläge. Dentalsnacks mit mechanischer Reinigungswirkung sollten jedoch nur bei noch intaktem Gebiss angeboten werden.
Nachlassende Fellpflege: Mehr als ein kosmetisches Problem
Wenn die einst so eitle Katze ihr glänzendes Fell vernachlässigt, steckt meist mehr dahinter als Altersfaulheit. Arthroseschmerzen machen es unmöglich, sich zu recken und schwer erreichbare Stellen zu putzen. Zahnschmerzen verhindern das gründliche Lecken. Kognitive Dysfunktion – das feline Pendant zur Demenz – lässt die Katze schlichtweg vergessen, sich zu putzen.
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in ausgewogenem Verhältnis unterstützen die Hautgesundheit von innen. Zink, Biotin und B-Vitamine fördern ein gesundes Haarkleid. Spezielles Senior-Futter berücksichtigt diese Bedürfnisse oft bereits in der Rezeptur. Doch die beste Ernährung ersetzt nicht die äußere Pflege: Tägliches Bürsten wird zur Notwendigkeit und gleichzeitig zum Ritual der Zuneigung. Es entfernt lose Haare, verteilt Hautfette, massiert die Haut und stärkt die emotionale Bindung in einer Lebensphase, in der Nähe wichtiger wird denn je.
Ganzheitlicher Ansatz: Wenn alles zusammenkommt
Die Herausforderung bei geriatrischen Katzen liegt in der Gleichzeitigkeit multipler Erkrankungen. Eine Katze mit Arthrose, beginnender Niereninsuffizienz und Zahnproblemen benötigt ein durchdachtes Ernährungskonzept, das alle Aspekte berücksichtigt. Hochwertige Proteine in moderater Menge erhalten die Muskelmasse. Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Taurin schützen alternde Zellen vor oxidativem Stress. MCT-Öle können bei kognitiven Dysfunktionen die Gehirnfunktion unterstützen.
Regelmäßige Blutuntersuchungen – idealerweise alle sechs Monate ab dem achten Lebensjahr – ermöglichen es, die Ernährung präzise anzupassen und Krankheiten im Frühstadium zu erkennen, wenn therapeutische Interventionen noch maximale Wirkung zeigen. Unsere alternden Katzen haben uns jahrelang bedingungslose Zuneigung geschenkt. Jetzt sind wir gefordert, ihnen durch angepasste Ernährung, aufmerksame Beobachtung und liebevolle Pflege einen würdevollen Lebensabend zu ermöglichen. Die Investition in spezialisiertes Futter und regelmäßige tierärztliche Kontrollen ist nicht nur medizinisch sinnvoll – sie ist ein Akt der Dankbarkeit gegenüber diesen außergewöhnlichen Geschöpfen, die unser Leben so sehr bereichert haben.
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