Wenn du einen Mac mit Apple Silicon besitzt – sei es ein M1, M2 oder M3 Chip – hast du vermutlich schon bemerkt, dass manche Programme einfach flüssiger laufen als andere. Der Grund dafür liegt häufig nicht an der App selbst, sondern daran, wie sie mit deinem Prozessor kommuniziert. Apple hat ab 2020 mit eigenen ARM-basierten Chips eine neue Ära eingeleitet, die jedoch eine Herausforderung mit sich bringt: Nicht alle Programme sind nativ für die neue Architektur optimiert.
Was bedeutet „native“ und „Intel-basiert“ eigentlich?
Um zu verstehen, warum manche Apps auf deinem Mac schneller laufen als andere, müssen wir einen Blick unter die Haube werfen. Programme werden für bestimmte Prozessorarchitekturen entwickelt. Ältere Macs nutzten Intel-Chips mit x86-Architektur, während die neuen Apple Silicon Macs auf ARM-Architektur setzen. Diese beiden „Sprachen“ sind grundverschieden – so als würdest du versuchen, ein deutsches Buch mit einem Wörterbuch für Französisch zu übersetzen.
Eine native App für Apple Silicon ist speziell für die ARM-Architektur kompiliert und kann direkt mit dem Prozessor kommunizieren. Intel-basierte Apps hingegen wurden für die alte Architektur entwickelt und benötigen eine Zwischenlösung, um auf den neuen Macs zu funktionieren.
Rosetta 2: Apples clevere Übersetzungslösung
Hier kommt Rosetta 2 ins Spiel – eine Übersetzungsschicht, die Apple entwickelt hat, um die Kompatibilität zu gewährleisten. Diese Software übersetzt Intel-Code in Echtzeit in ARM-Code, sodass deine alten Programme weiterhin funktionieren. Das klingt zunächst nach einer perfekten Lösung, und in vielerlei Hinsicht ist es das auch. Die meisten Alltagsanwendungen laufen über Rosetta 2, und viele Nutzer bemerken den Unterschied kaum.
Allerdings hat diese Übersetzung ihren Preis: Bei rechenintensiven Anwendungen können Leistungseinbußen auftreten. Das ist besonders spürbar bei professionellen Anwendungen wie Videobearbeitung, 3D-Rendering, Musikproduktion oder Softwareentwicklung. Die Performance-Unterschiede zeigen sich vor allem bei Videoschnitt und Rendering, wo Programme wie Adobe Premiere oder DaVinci Resolve massiv von nativer Unterstützung profitieren. Auch 3D-Modellierung mit Blender oder Cinema 4D, die Kompilierung von Code für Entwickler, wissenschaftliche Berechnungen mit MATLAB oder Statistiksoftware sowie professionelle Musikproduktion mit vielen Plugins belasten den Prozessor erheblich.
So erkennst du, welche Apps nativ laufen
Es ist überraschend einfach herauszufinden, ob eine App nativ für Apple Silicon optimiert ist oder über Rosetta 2 läuft. Öffne die Aktivitätsanzeige auf deinem Mac und füge die Spalte „Art“ hinzu, falls sie nicht bereits sichtbar ist. Dort siehst du bei jeder laufenden App entweder „Apple“ für native Apps oder „Intel“ für Programme, die durch Rosetta 2 übersetzt werden.
Alternativ kannst du im Finder zu deinen Programmen navigieren, eine App auswählen, „Informationen“ öffnen und dort nachschauen, ob sie als „Universal“ oder „Apple Silicon“ gekennzeichnet ist. Universal bedeutet, dass die App beide Architekturen unterstützt und automatisch die optimale Version verwendet.
Die Energieeffizienz-Frage
Ein oft übersehener Aspekt ist der Energieverbrauch. Apple Silicon Chips sind nicht nur schnell, sondern auch extrem energieeffizient. Native Apps nutzen diese Effizienz voll aus und verbrauchen deutlich weniger Strom für dieselbe Aufgabe. Bei Intel-basierten Apps über Rosetta 2 geht dieser Vorteil teilweise verloren. In der Praxis bedeutet das: Dein MacBook hält mit nativen Apps länger durch, bleibt kühler und die Lüfter bleiben häufiger aus.

Gerade bei MacBook Air Modellen ist dieser Unterschied bemerkenswert. Apple Silicon ist so effizient, dass das MacBook Air ab M1 komplett ohne Lüfter auskommt – ein Traum, den sich Apple mehrmals in seiner Geschichte nur unzureichend erfüllt hat. Native Apps können die passive Kühlung optimal nutzen und sorgen dafür, dass dein Laptop auch bei anspruchsvollen Aufgaben leise bleibt.
Was kannst du konkret tun?
Die gute Nachricht: Die meisten großen Softwarehersteller haben mittlerweile native Versionen ihrer Programme veröffentlicht oder arbeiten daran. Prüfe regelmäßig nach Updates für deine wichtigsten Anwendungen. Manchmal ist ein simples Software-Update der Schlüssel zu deutlich besserer Performance.
Aktualisiere deine Apps regelmäßig, denn viele Entwickler haben nachträglich native Versionen veröffentlicht. Wenn deine Lieblings-App noch nicht optimiert ist, gibt es möglicherweise eine native Alternative, die ähnliche Funktionen bietet. Falls du auf eine bestimmte App angewiesen bist, lohnt es sich, beim Support nach einer Apple Silicon Version zu fragen. Manchmal ist die Mac App Store Version bereits für Apple Silicon optimiert, während die direkt heruntergeladene Version noch nicht aktualisiert wurde.
Die Evolution der Apple Silicon Chips
Der M1 war im Jahr 2020 Apples erster eigenproduzierter ARM-Chip für Desktop-Rechner. Seitdem hat sich viel getan. Die M3-Generation bietet beispielsweise bis zu 2,5-mal schnellere Grafikleistung als die M1-Serie, was grafikintensive Apps deutlich beschleunigt. Interessant ist auch, dass native Apps oft besser mit den spezialisierten Recheneinheiten der Apple Silicon Chips zusammenarbeiten. Die Neural Engine für maschinelles Lernen oder die Media Engine für Video-Codierung werden von nativen Apps effizienter angesprochen.
Ein besonders praktisches Detail beim MacBook Air M3: Die neueste Generation verfügt über WiFi 6E und kann auch mit zwei externen Bildschirmen umgehen, wenn der Rechner zugeklappt ist. Anders als M2 und vor allem M1 beherrscht der M3 einen Softwaretrick, bei dem beide ansteuerbaren Monitore im geschlossenen Zustand des MacBook Air extern sein können. Einer davon unterstützt sogar bis zu 6K-Auflösung.
Die Zukunft ist nativ
Apple hat angekündigt, dass Rosetta 2 eine Übergangslösung ist. Die Industrie bewegt sich stetig in Richtung vollständiger Apple Silicon Optimierung. Professionelle Software wie die Adobe Creative Cloud, Microsoft Office und viele Entwicklertools sind bereits vollständig portiert. Selbst spezialisierte wissenschaftliche Software folgt diesem Trend.
Für dich als Nutzer bedeutet das: Je länger du deinen Apple Silicon Mac nutzt, desto besser wird das Software-Ökosystem. Die anfänglichen Kinderkrankheiten sind weitgehend überwunden, und die meisten populären Apps laufen mittlerweile nativ. Rosetta 2 bleibt dennoch eine beeindruckende technische Leistung. Die Tatsache, dass die meisten Intel-Apps praktisch ohne Probleme funktionieren, zeugt von Apples Engineering-Können.
Für den Gelegenheitsnutzer ist der Unterschied oft vernachlässigbar. Wer jedoch das Maximum aus seinem Mac herausholen möchte – sei es für kreative Arbeit, Entwicklung oder wissenschaftliche Anwendungen – sollte definitiv auf native Apps setzen. Die Investition in optimierte Software zahlt sich durch bessere Performance, längere Akkulaufzeit und ein insgesamt flüssigeres Arbeitserlebnis aus. Dein Mac wird es dir mit spürbarer Geschwindigkeit, leisem Betrieb und beeindruckender Ausdauer danken.
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