Wer beim Einkauf im Supermarkt nach Mayonnaise greift, erwartet ein bestimmtes Produkt – cremig, schmackhaft und idealerweise mit hochwertigen Zutaten hergestellt. Doch die Realität in den Kühlregalen sieht anders aus: Nicht jede Tube oder jedes Glas, das optisch an Mayonnaise erinnert, enthält tatsächlich das klassische Produkt. Besonders für Eltern, die auf eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder achten möchten, kann diese Situation zur Stolperfalle werden. Die Verkaufsbezeichnung spielt hierbei eine entscheidende Rolle – und wird oft übersehen.
Was macht echte Mayonnaise aus?
Echte Mayonnaise unterliegt in Deutschland strengen rechtlichen Vorgaben. Die Richtlinie für Mayonnaise, Salatmayonnaise und Remoulade des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde von 2019 definiert präzise, was als Mayonnaise bezeichnet werden darf. Das Kernstück: Ein Mindestgehalt von 70 Prozent Öl und die Verwendung von Eigelb als Emulgator. Diese Zusammensetzung sorgt für die charakteristische Konsistenz und den typischen Geschmack.
Eltern, die sich für diese klassische Variante entscheiden, erhalten ein Produkt mit klaren Inhaltsstoffen. Die Hauptzutaten sind Pflanzenöl, Eigelb, Essig oder Zitronensaft, Salz und oft noch Senf. Durch den hohen Ölanteil ist echte Mayonnaise zwar kalorienreich, aber transparent in ihrer Zusammensetzung.
Die Trickkiste mit den Bezeichnungen
Im Supermarkt tummeln sich zahlreiche Produkte, die auf den ersten Blick wie Mayonnaise aussehen. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt kreative Wortschöpfungen auf den Etiketten: „Salatcreme“, „Delikatess-Sauce“, „Sandwich-Creme“ oder schlicht „mayonnaiseähnliche Sauce“. Diese Bezeichnungen sind kein Zufall, sondern rechtlich notwendig, wenn die Zusammensetzung von der klassischen Definition abweicht.
Diese Produkte enthalten typischerweise weniger als 70 Prozent Öl und ersetzen einen Teil des Eigelbs durch andere Emulgatoren oder Verdickungsmittel. Stattdessen finden sich häufig Stärke, modifizierte Stärke, Stabilisatoren und verschiedene Zusatzstoffe in der Zutatenliste. Der Fettgehalt ist oft reduziert – was zunächst positiv klingt, aber durch Zucker, Stärke oder andere Füllstoffe kompensiert wird. Salatmayonnaise beispielsweise muss mindestens 50 Prozent Fett enthalten und darf stärkehaltige Bindemittel verwenden. Produkte mit noch weniger Fett müssen als Salatcreme deklariert werden.
Warum diese Unterschiede für Kinder relevant sind
Für die Ernährung von Kindern macht dieser Unterschied mehr aus, als viele Eltern vermuten. Während beide Varianten nicht als Gesundheitsnahrung gelten, zeigen sich bei genauerer Betrachtung wichtige Differenzen. Mayonnaiseähnliche Produkte enthalten oft eine längere Liste an Zusätzen wie Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Konservierungsstoffe, die bei echter Mayonnaise nicht erforderlich sind. Um den reduzierten Fettgehalt geschmacklich auszugleichen, wird häufig mehr Zucker zugesetzt – ein kritischer Punkt bei Kinderprodukten.
Echte Mayonnaise mit Eigelb liefert fettlösliche Vitamine und essentielle Fettsäuren aus dem Öl, während mayonnaiseähnliche Produkte durch Füllstoffe gestreckt werden. Die unterschiedlichen Emulgatoren können verschiedene Allergene enthalten, was bei Unverträglichkeiten wichtig wird. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann bewusster entscheiden, welches Produkt auf dem Pausenbrot der Kinder landet.
Der Blick aufs Etikett: Worauf Eltern achten sollten
Mit etwas Übung lässt sich erkennen, was tatsächlich in der Tube steckt. Die Verkaufsbezeichnung steht meist prominent auf der Vorderseite der Verpackung – allerdings nicht immer in großer Schrift. Manchmal versteckt sie sich in kleinerer Schriftgröße zwischen anderen Angaben.
Wichtig zu wissen: Untersuchungen des Lebensmittel- und Veterinärinstituts Braunschweig/Hannover haben gezeigt, dass die Kennzeichnung in der Praxis nicht immer zuverlässig ist. In einer Studie wurden 15 Proben wegen irreführender Kennzeichnung beanstandet, weil die Bezeichnung „Mayonnaise“ verwendet wurde, obwohl der Fettgehalt zu gering war oder Stärke enthalten war. Verbrauchertäuschung kommt also durchaus vor, weshalb der genaue Blick auf die Zutatenliste unerlässlich ist.
Ein Praxis-Tipp: Steht dort einfach „Mayonnaise“ ohne weitere Zusätze, sollte es sich um das klassische Produkt handeln – die Zutatenliste gibt jedoch Sicherheit. „Salat-Mayonnaise“ ist ein definierter Begriff mit eigenen Vorgaben und unterscheidet sich vom Original durch einen niedrigeren Fettgehalt von mindestens 50 Prozent.
Die Zutatenliste entschlüsseln
Die Reihenfolge der Zutaten verrät viel: Sie sind nach Gewichtsanteil sortiert. Bei echter Mayonnaise steht Öl ganz oben, gefolgt von Eigelb oder Vollei. Tauchen bereits an dritter oder vierter Stelle Begriffe wie „Verdickungsmittel“, „modifizierte Stärke“ oder „Stabilisatoren“ auf, deutet dies auf ein mayonnaiseähnliches Produkt hin.

Besondere Vorsicht ist bei versteckten Zuckern geboten. Diese können unter verschiedenen Namen auftauchen: Saccharose, Glukosesirup, Dextrose oder Fruktose. Für Kinderernährung ist ein Blick auf die Nährwerttabelle unverzichtbar – der Zuckergehalt pro 100 Gramm sollte möglichst niedrig sein. Viele Eltern sind überrascht, wenn sie feststellen, dass manche „light“ beworbenen Produkte mehr Zucker enthalten als die Originalvariante.
Preisgestaltung und Verbrauchertäuschung
Ein weiterer Aspekt verwirrt zusätzlich: Mayonnaiseähnliche Produkte sind nicht zwangsläufig günstiger als das Original. Manche dieser Alternativen werden sogar teurer verkauft, etwa wenn sie als „light“ oder „fettreduziert“ beworben werden. Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover dokumentierte Fälle, in denen bei zwei Proben die Verwendung der Angabe „leicht“ nicht zulässig war. Dies zeigt, dass Hersteller mit solchen Begriffen arbeiten, um höhere Preise zu rechtfertigen, obwohl dies teilweise rechtswidrig geschieht.
Diese Preisgestaltung lässt sich schwer rechtfertigen, wenn man die tatsächlichen Produktionskosten betrachtet. Hochwertige Öle und Eigelb sind teurer als Stärke und Wasser. Der höhere Preis mancher mayonnaiseähnlicher Produkte basiert eher auf geschicktem Marketing als auf besserer Qualität. Für den Familienhaushalt bedeutet dies: Teuer ist nicht automatisch besser, und günstig nicht zwingend minderwertig.
Praktische Tipps für den bewussten Einkauf
Für Eltern, die ihren Kindern gelegentlich Mayonnaise anbieten möchten, lohnt sich ein strategischer Einkauf. Die zusätzlichen 30 Sekunden zum Lesen der Verkaufsbezeichnung und der ersten drei bis fünf Zutaten zahlen sich aus. Da die Verkaufsbezeichnung nicht immer verlässlich ist, bietet die Zutatenliste zusätzliche Sicherheit über den tatsächlichen Inhalt.
Der Grundpreis pro 100 Gramm oder 100 Milliliter zeigt, ob ein vermeintliches Schnäppchen tatsächlich günstig ist. Echte Mayonnaise ohne Konservierungsstoffe ist nach dem Öffnen kürzer haltbar – lieber kleinere Packungen kaufen. Produkte mit Ei sollten durchgehend gekühlt werden, auch im Einkaufswagen und auf dem Heimweg. Selbstgemachte Mayonnaise ist mit einem Pürierstab in wenigen Minuten hergestellt und enthält garantiert nur gewünschte Zutaten.
Der pädagogische Aspekt
Ältere Kinder können beim Einkauf einbezogen werden. Gemeinsam Etiketten zu lesen und Unterschiede zu besprechen, schult die Verbraucherkompetenz früh. Kinder lernen, dass nicht alles, was ähnlich aussieht, auch identisch ist – eine wertvolle Lektion fürs Leben, die über Mayonnaise hinausgeht.
Dieser bewusste Umgang mit Lebensmitteln fördert ein gesundes Verhältnis zur Ernährung. Kinder verstehen, dass es nicht um Verbote geht, sondern um informierte Entscheidungen. Mayonnaise – ob echt oder nicht – bleibt eine gelegentliche Beilage, aber eben eine, bei der man weiß, was man kauft. Diese Kompetenz nehmen sie mit ins Erwachsenenalter und geben sie möglicherweise an die nächste Generation weiter.
Rechtliche Grauzonen und Verbesserungsbedarf
Obwohl die Lebensmittelkennzeichnung in Deutschland zu den strengsten weltweit gehört, bleiben Lücken. Die Verkaufsbezeichnung muss zwar korrekt sein, aber ihre Platzierung und Größe ist oft nicht optimal geregelt. Auffällige Fantasienamen in großen Lettern lenken von der kleingedruckten korrekten Bezeichnung ab. Die dokumentierten Fälle von irreführender Kennzeichnung zeigen, dass selbst bei vorhandenen Regelungen die Umsetzung in der Praxis mangelhaft sein kann.
Verbraucherschützer fordern seit Jahren klarere Regelungen. Die Diskussion zeigt: Selbst bei scheinbar einfachen Produkten wie Mayonnaise brauchen Käufer Wachsamkeit und Grundwissen, um nicht ungewollt zu Produkten zu greifen, die ihre Erwartungen nicht erfüllen. Transparenz bei Lebensmitteln sollte kein Privileg informierter Verbraucher sein, sondern Standard für alle.
Für Eltern bedeutet dies konkret: Das Vertrauen in große Buchstaben und ansprechendes Verpackungsdesign reicht nicht aus. Die Kombination aus Verkaufsbezeichnung und Zutatenliste bleibt der zuverlässigste Indikator für den tatsächlichen Inhalt – auch wenn das Entziffern manchmal eine Lesebrille erfordert. Wer beide Angaben prüft, ist auf der sicheren Seite und kann eine bewusste Kaufentscheidung für die Familie treffen.
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