Wurde dein Gesicht ohne Erlaubnis gescannt? Die versteckte Facebook-Funktion, die Millionen betrafen

Die Gesichtserkennung gehörte zu den umstrittensten Features, die Facebook in den letzten Jahren eingeführt hatte. Das soziale Netzwerk nutzte diese Technologie, um Gesichter auf hochgeladenen Fotos automatisch zu identifizieren und Markierungsvorschläge zu machen. Was auf den ersten Blick nach einer praktischen Funktion klang, warf erhebliche Datenschutzfragen auf. Mittlerweile hat Meta die Funktion weltweit abgeschaltet, doch die Debatte um biometrische Daten bleibt hochaktuell.

Was geschah mit den Gesichtsdaten?

Facebook erstellte aus hochgeladenen Fotos eine biometrische Signatur des Gesichts – eine Art digitaler Fingerabdruck, der so einzigartig ist wie DNA. Diese Technologie analysierte charakteristische Merkmale wie den Abstand zwischen den Augen, die Form der Nase oder die Konturen des Kinns. Sobald man auf mehreren Fotos erkannt wurde, baute Facebook eine umfassende Datenbank auf, die theoretisch auf jedem beliebigen Foto eine Identifizierung ermöglichte.

Das Problem dabei: Diese Daten blieben nicht im eigenen Facebook-Profil eingesperrt. Sie flossen in Algorithmen ein und wurden für Werbezwecke genutzt. Facebook setzte diese Technologie rund zehn Jahre lang ein. Mit Zustimmung der Nutzer wurden hochgeladene Fotos analysiert und mit Namensvorschlägen versehen. In einigen Ländern stellte Facebook die Gesichtserkennung aufgrund rechtlicher Bedenken bereits früh ein, während sie in anderen Regionen weiter im Hintergrund lief.

Besonders in Europa war der Druck durch Datenschützer erheblich. Bereits 2012 schaltete Facebook die Gesichtserkennung in Europa ab, nachdem der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar Druck ausgeübt hatte. Der irische Datenschützer erklärte im September 2012, dass Facebook die Gesichtserkennung für Europa deaktiviert und bereits erfasste biometrische Daten gelöscht hatte. Facebook legte damals durch überprüfbare Auszüge aus dem genutzten Programmcode plausibel dar, dass die Funktion europaweit abgeschaltet wurde.

2018 führte Facebook die Gesichtserkennung unter verschärften Bedingungen erneut ein. Doch nach jahrelanger Kritik kündigte Meta 2021 schließlich die weltweite Abschaltung des Gesichtserkennungssystems an und versprach, die biometrischen Daten von über einer Milliarde Nutzern zu löschen. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit Datenschutzbedenken. Etwa 640 Millionen Menschen hatten in den Nutzungsbedingungen eingewilligt, dass ihre Gesichter erkannt werden konnten – mehr als ein Drittel der täglich aktiven Facebook-Nutzer.

Warum biometrische Daten so problematisch sind

Der offensichtlichste Grund ist die Kontrolle über persönliche Daten. Biometrische Informationen gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt – sie können nicht wie ein Passwort geändert werden. Einmal kompromittiert, bleiben sie für immer problematisch. Automatische Markierungen konnten peinliche Situationen schaffen, berufliche Probleme verursachen oder schlichtweg die Privatsphäre verletzen. Viele Nutzer wollten nicht, dass jeder sofort sehen konnte, wo sie waren oder mit wem sie sich getroffen hatten.

Ein weiterer Aspekt betraf potenzielle Sicherheitsrisiken. Je mehr Daten Facebook über seine Nutzer sammelte, desto attraktiver wurde die Plattform für Cyberkriminelle. Die Brisanz der Gesichtserkennung zeigte sich auch in einer erfolgreichen Klage in den USA: Im Januar 2020 einigte sich Facebook auf einen Vergleich mit 1,6 Millionen Klägern – jede Person erhielt etwa 350 US-Dollar Entschädigung. Diese Summe verdeutlicht, wie ernst amerikanische Gerichte den Missbrauch biometrischer Daten mittlerweile nehmen.

Die rechtliche Situation in Deutschland und Europa

Die Datenschutz-Grundverordnung stellt strenge Anforderungen an die Verarbeitung biometrischer Daten. Die DSGVO behandelt biometrische Daten als besondere Kategorie sensibler Daten, die einem erhöhten Schutz unterliegen. Facebook musste seine Gesichtserkennungstechnologie in Europa mehrfach anpassen und einschränken, weil die rechtlichen Hürden hier deutlich höher liegen als anderswo.

Das unterschiedliche Datenschutzverständnis zwischen Europa und den USA wird besonders deutlich: Während automatische Gesichtserkennung in Europa bereits gegen geltendes Recht verstieß, verhandelten Behörden in den USA nur auf Basis freiwilliger Selbstverpflichtungen zwischen Wirtschaftsverbänden und US-Bürgerrechtsorganisationen. Im Kontext der EU-Datenschutzgrundverordnung wurde berücksichtigt, dass Nutzer in die Gesichtserkennung einwilligen müssen und ein Widerspruchsrecht haben sollten.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz hatte 2011 gegen Facebook vorgehen müssen, weil das Unternehmen standardmäßig alle eingestellten Fotos zur Gesichtserkennung analysierte, ohne die Nutzer um Erlaubnis zu fragen. Dieser Druck führte zur Abschaltung in Europa bereits 2012 und markierte einen wichtigen Meilenstein im Kampf um digitale Privatsphäre.

Was die Abschaltung wirklich bedeutet

Meta hat versprochen, die biometrischen Vorlagen zu löschen. Ob die Daten tatsächlich vollständig und unwiderruflich entfernt wurden, lässt sich von außen allerdings schwer überprüfen. Die historische Erfahrung von 2012 zeigt jedoch, dass Facebook zumindest damals nachweisbar Daten löschte und die Funktion abschaltete. Skeptiker weisen darauf hin, dass die Ankündigung Schlupflöcher für zukünftige Produkte im Metaverse enthielt.

Nutzer in der EU genießen grundsätzlich stärkeren Datenschutz als in vielen anderen Regionen. Dennoch schadet es nicht, die eigenen Einstellungen regelmäßig zu kontrollieren. Facebook interpretiert rechtliche Vorgaben gerne großzügig zu eigenen Gunsten, weshalb wachsam bleiben die bessere Strategie ist.

Zusätzliche Maßnahmen für mehr Privatsphäre

Auch wenn die automatische Gesichtserkennung abgeschaltet wurde, sollte man weitere Einstellungen überprüfen, um die Privatsphäre auf Facebook zu schützen:

  • Überprüfung von Markierungen: Aktiviere die Funktion, die verhindert, dass Markierungen automatisch in deiner Chronik erscheinen
  • Freigabe-Einstellungen: Beschränke, wer deine Beiträge und Fotos sehen kann
  • App-Berechtigungen: Entferne Drittanbieter-Apps, die Zugriff auf dein Profil haben
  • Standortverlauf: Deaktiviere die Ortungsdienste, wenn du nicht möchtest, dass Facebook deinen Aufenthaltsort trackt
  • Werbe-Tracking: Schränke ein, wie Facebook deine Daten für personalisierte Werbung nutzt

Praktische Tipps für den Alltag

Neben technischen Einstellungen kannst du deine Privatsphäre durch bewusstes Verhalten schützen. Überlege zweimal, bevor du Fotos auf Facebook hochlädst. Kommuniziere mit Freunden, dass du nicht ungefragt markiert werden möchtest. Nutze die Meldefunktion, wenn jemand deine Wünsche ignoriert. Andere Personen können dich weiterhin manuell auf Fotos taggen, aber du erhältst dann eine Benachrichtigung und kannst die Markierung genehmigen oder ablehnen, sofern du diese Einstellung entsprechend konfiguriert hast.

Erstelle außerdem regelmäßig Backups deiner Facebook-Daten, um nachvollziehen zu können, welche Informationen das Netzwerk über dich gespeichert hat. Diese Funktion findest du in den Einstellungen unter „Deine Facebook-Informationen“ und sie gibt dir einen überraschend detaillierten Einblick in das, was Facebook alles über dich weiß.

Die digitale Selbstverteidigung beginnt mit Bewusstsein und endet mit konkreten Handlungen. In einer Zeit, in der biometrische Überwachung zunimmt, ist jede Maßnahme wertvoll, die persönliche Informationen schützt. Die Geschichte der Facebook-Gesichtserkennung zeigt, dass öffentlicher Druck und strenge Datenschutzgesetze durchaus Wirkung zeigen können. Europäische Datenschützer haben bewiesen, dass sich Tech-Konzerne zur Verantwortung ziehen lassen, wenn Behörden konsequent handeln und Nutzer ihre Rechte einfordern.

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