Wer sein Google-Konto mit Familienmitgliedern, Partnern oder Mitbewohnern teilt, kennt das Problem: Plötzlich tauchen Orte im Standortverlauf auf, die man nie besucht hat, oder die Suchvorschläge werden merkwürdig durcheinander. Was zunächst harmlos klingt, entwickelt sich schnell zu einem echten Privatsphäre-Albtraum. Google Maps ist für die Nutzung durch eine einzelne Person konzipiert – und genau hier liegt der Knackpunkt, den viele unterschätzen.
Warum ein gemeinsames Google-Konto bei Maps problematisch ist
Google Maps sammelt deutlich mehr Daten, als den meisten Nutzern bewusst ist. Der Dienst protokolliert nicht nur jeden besuchten Ort, sondern erstellt auch detaillierte Bewegungsprofile, speichert Suchanfragen und merkt sich, welche Geschäfte, Restaurants oder andere Locations als Favoriten markiert wurden. Wenn mehrere Personen dasselbe Konto verwenden, verschmelzen all diese Informationen zu einem chaotischen Datenmix.
Das führt zu verschiedenen Problemen: Partner sehen ungefiltert, wo der andere war. Kinder können auf Standortdaten der Eltern zugreifen. Gespeicherte Adressen – möglicherweise von Arztbesuchen, Therapiesitzungen oder privaten Treffen – werden für alle Kontonutzer sichtbar. Die persönliche Autonomie geht verloren, und was als praktische Sharing-Lösung gedacht war, mutiert zur Überwachungsfalle.
Die technischen Hintergründe des Datensammelns
Google Maps nutzt die sogenannte Zeitachse, um ein lückenloses Bewegungsprofil zu erstellen. Diese Funktion läuft im Hintergrund und zeichnet jeden Standort auf, solange das Smartphone eingeschaltet ist und Standortdienste aktiviert sind. Die Orte werden dabei gespeichert, selbst wenn gerade kein Google-Dienst aktiv genutzt wird. Zur Positionsbestimmung werden nicht nur GPS-Daten verwendet, sondern auch WLAN-Netzwerke und Mobilfunkmasten herangezogen.
Seit Ende 2024 hat Google die Speicherung der Zeitachse grundlegend umgestellt: Die Standortdaten werden nun standardmäßig lokal auf dem Android-Smartphone gespeichert, nicht mehr zentral in der Google Cloud. Diese Änderung soll den Datenschutz verbessern und das Risiko unbefugter Zugriffe verringern. Bei einem Gerätewechsel können die Daten verschlüsselt über Google-Server auf das neue Gerät übertragen werden. Eine wichtige Einschränkung: Mehrere Geräte können nicht mehr parallel Daten zur gleichen Zeitachse hinzufügen.
Zusätzlich speichert Google alle Suchanfragen im Rahmen der sogenannten Web- und App-Aktivitäten. Diese Daten werden zur Optimierung von Suchergebnissen und zur Personalisierung genutzt. Wer nach sensiblen Themen sucht, hinterlässt digitale Spuren, die bei einem geteilten Konto für alle Mitnutzer einsehbar sein können. Die Speicherdauer beträgt nach Angaben von Google standardmäßig 18 Monate, kann aber in den Einstellungen angepasst werden.
Konkrete Risiken für die Privatsphäre
Die Konsequenzen reichen weit über peinliche Situationen hinaus. In Beziehungen kann das gemeinsame Konto zu Misstrauen führen, wenn plötzlich unbekannte Orte im Verlauf auftauchen. Jeder Besuch bei einem Freund, jeder Abstecher in ein Café wird dokumentiert und ist für alle einsehbar – freiwillige Transparenz kann schnell in ungewollte Überwachung umschlagen.
Besonders kritisch wird es, wenn sensible Orte aufgezeichnet werden: Besuche bei Ärzten, Psychotherapeuten, Beratungsstellen oder Anwälten sollten privat bleiben. Auch berufliche Termine oder Bewerbungsgespräche gehen niemanden etwas an. Bei einem geteilten Konto existiert diese Privatsphäre schlichtweg nicht mehr.
Ein weiteres Risiko betrifft Kinder und Jugendliche. Eltern, die ihr Konto mit dem Nachwuchs teilen, gewähren diesem unbeabsichtigt Einblick in ihre gesamten Bewegungsdaten. Umgekehrt können Eltern die Standorte ihrer Kinder nachverfolgen, was bei älteren Jugendlichen zu Konflikten führen kann. Die Balance zwischen Fürsorge und Vertrauen gerät aus dem Gleichgewicht.
Die Umstellung auf lokale Speicherung bedeutet auch: Wenn ein Smartphone verloren geht oder gestohlen wird, sind die Standortdaten des gesamten Verlaufs für denjenigen zugänglich, der das Gerät entsperrt. Die Daten liegen nun direkt auf dem Gerät und nicht mehr geschützt in einem passwortgesicherten Cloud-Konto. Das ändert das Risikoprofil erheblich.
Die richtige Lösung: Separate Konten einrichten
Die einzig sinnvolle Lösung besteht darin, jedem Nutzer ein eigenes Google-Konto zu geben. Das mag zunächst nach Mehraufwand klingen, ist aber in wenigen Minuten erledigt und schafft klare digitale Grenzen. Jeder erhält seine eigene Zeitachse, eigene Favoriten und eigene Suchverläufe – genau so, wie es sein sollte.
Wer dennoch bestimmte Funktionen gemeinsam nutzen möchte, kann auf spezialisierte Freigabefunktionen zurückgreifen. Diese erlauben es, gezielt einzelne Informationen zu teilen, ohne dass alle Kontodaten für andere zugänglich werden. Der entscheidende Vorteil: Die Kontrolle bleibt bei jedem Einzelnen, und sensible Daten bleiben geschützt.

Bestehende Daten bereinigen
Wer bisher ein gemeinsames Konto genutzt hat und nun auf separate Konten umsteigen möchte, sollte zuerst die vorhandenen Daten aufräumen. In den Google Maps-Einstellungen lässt sich die gesamte Zeitachse löschen oder zumindest einzelne Tage und Orte entfernen. Seit der Umstellung auf lokale Speicherung befinden sich diese Daten direkt auf dem Gerät und werden durch das Löschen dauerhaft entfernt.
Der Suchverlauf findet sich in den Konto-Einstellungen unter den Web- und App-Aktivitäten. Hier können alle Maps-Aktivitäten eingesehen und gelöscht werden. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, aktiviert die automatische Löschung nach drei oder 18 Monaten. So wird verhindert, dass sich über Jahre hinweg ein detailliertes Profil ansammelt.
Anfang 2025 kam es bei Google Maps zu einem technischen Problem, bei dem zahlreiche Nutzer ihre Zeitachse-Daten unerwartet verloren haben. Google informierte betroffene Nutzer per E-Mail und bestätigte, dass ein technisches Problem die Ursache für die Löschung war. Viele konnten ihre Daten aus Backups wiederherstellen. Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig regelmäßige Sicherungen sind – besonders jetzt, wo die Daten lokal auf dem Gerät liegen.
Präventive Einstellungen für maximale Privatsphäre
Nach der Trennung der Konten lohnt es sich, die Datenschutz-Einstellungen zu optimieren. Die Zeitachse kann komplett deaktiviert werden, wenn man keine Bewegungsaufzeichnung wünscht. Das schränkt zwar einige Komfortfunktionen ein – etwa personalisierte Empfehlungen –, schützt aber effektiv vor ungewollter Datensammlung.
Alternativ kann die Zeitachse nur für bestimmte Situationen oder Zeiträume deaktiviert werden. So lässt sich die Aufzeichnung beispielsweise temporär ausschalten, wenn man nicht möchte, dass bestimmte Orte gespeichert werden. Auch die Web- und App-Aktivitäten können getrennt gesteuert werden, sodass Suchanfragen nicht mehr dauerhaft gespeichert werden.
Die lokale Speicherung bringt neue Überlegungen mit sich: Das Smartphone sollte mit einem sicheren Sperrbildschirm geschützt werden, da die Standortdaten nun direkt auf dem Gerät liegen. Eine Geräteverschlüsselung bietet zusätzlichen Schutz für den Fall, dass das Smartphone verloren geht oder gestohlen wird.
Die rechtliche Perspektive nicht vergessen
In Deutschland gelten strenge Datenschutzregeln, die auch im privaten Bereich relevant werden können. Wer ohne Wissen oder Zustimmung Bewegungsdaten anderer Personen sammelt oder einsieht, bewegt sich auf rechtlich dünnem Eis. Besonders in Trennungssituationen oder Sorgerechtsstreitigkeiten können heimlich gesammelte Standortdaten problematisch werden.
Selbst innerhalb von Beziehungen sollte die digitale Privatsphäre respektiert werden. Ein gemeinsames Konto aus Bequemlichkeit zu nutzen, mag harmlos wirken – faktisch entsteht dadurch aber eine dauerhafte Überwachungssituation, die gesetzlich bedenklich sein kann. Die klare Trennung von Konten schützt alle Beteiligten vor späteren Konflikten.
Praktische Tipps für die Umstellung
Der Wechsel auf separate Konten erfordert keine technischen Vorkenntnisse. Neue Google-Konten lassen sich direkt über die Smartphone-Einstellungen hinzufügen. Wichtig ist, bei der Einrichtung die richtigen Datenschutz-Optionen zu wählen – Google fragt während des Setup-Prozesses nach verschiedenen Berechtigungen, die individuell angepasst werden sollten.
Bestehende Daten wie Kontakte, Fotos oder Kalenderereignisse können bei Bedarf exportiert und ins neue Konto übertragen werden. Google bietet dafür den Dienst Google Takeout an, mit dem sich alle Kontodaten herunterladen lassen. So geht beim Umstieg nichts verloren, und jeder startet mit seinen persönlichen Daten ins eigene Konto.
Die anfängliche Umstellung mag etwas Aufwand bedeuten, zahlt sich aber langfristig aus. Separate Konten schaffen nicht nur mehr Privatsphäre, sondern auch bessere Nutzererfahrungen: Google Maps lernt die individuellen Vorlieben kennen und liefert personalisierte Empfehlungen, die tatsächlich passen – statt einen Datenmix aus mehreren Personen zu verarbeiten, der am Ende niemandem gerecht wird.
Wer seine Standortdaten bewusst verwaltet und auf separate Konten setzt, gewinnt nicht nur Privatsphäre zurück, sondern auch die Kontrolle über die eigenen digitalen Spuren. In einer Zeit, in der Daten immer wertvoller werden, ist diese Kontrolle wichtiger denn je.
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