Wer regelmäßig Google Maps nutzt, ahnt vielleicht nicht, dass die App ein digitales Tagebuch über jeden zurückgelegten Weg führen kann. Die Timeline-Funktion von Google Maps zeichnet minutiös auf, wo du wann warst – vom morgendlichen Café bis zum Abendspaziergang im Park. Was für manche praktisch klingt, löst bei anderen Unbehagen aus. Die gute Nachricht: Du hast die volle Kontrolle darüber, was Google speichert und was nicht.
Was steckt hinter der Google Maps Timeline?
Die Timeline ist deutlich mehr als nur eine simple Kartenansicht deiner Bewegungen. Google erstellt aus den GPS-Daten deines Smartphones eine detaillierte Chronik deines Alltags. Das System erkennt automatisch, ob du zu Fuß unterwegs warst, mit dem Auto gefahren oder öffentliche Verkehrsmittel genutzt hast. Auch die Aufenthaltsdauer an bestimmten Orten wird erfasst.
Entgegen einem weit verbreiteten Missverständnis läuft diese Funktion nicht automatisch. Die Timeline ist standardmäßig deaktiviert und muss von dir bewusst aktiviert werden. Dafür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Standorterfassung muss eingeschaltet sein und die Timeline selbst muss in den Google-Maps-Einstellungen unter Standorteinstellungen explizit aktiviert werden. Viele Nutzer haben die Funktion irgendwann eingeschaltet und vergessen dies wieder, weshalb sie Jahre später überrascht sind, wie präzise ihre Bewegungsmuster dokumentiert wurden.
Warum sammelt Google überhaupt diese Daten?
Aus technischer Sicht ergibt die Datensammlung durchaus Sinn. Google analysiert anonymisierte Bewegungsmuster von Millionen Nutzern, um Verkehrsstaus vorherzusagen und alternative Routen vorzuschlagen. Deine persönlichen Daten fließen in Algorithmen ein, die beispielsweise berechnen, wie voll ein Restaurant zu bestimmten Uhrzeiten ist oder wann der beste Zeitpunkt für einen Supermarktbesuch wäre.
Zusätzlich verbessert die Timeline die Qualität von Suchergebnissen. Wenn du etwa nach einem Restaurant suchst, das du vor Wochen besucht hast, kann Google dir dieses gezielt vorschlagen, weil es in deiner Historie auftaucht. Auch die Funktion „Wo habe ich geparkt?“ basiert auf diesen gespeicherten Standortdaten. Der Preis für diese Bequemlichkeit ist allerdings die Preisgabe sehr persönlicher Informationen über deine Gewohnheiten und Routinen.
So überprüfst du deine gespeicherten Daten
Bevor du etwas änderst, lohnt sich ein Blick darauf, welche Informationen Google bereits über dich gesammelt hat. Öffne dazu Google Maps auf deinem Smartphone und tippe auf dein Profilbild in der oberen rechten Ecke. Wähle anschließend „Deine Zeitachse“ aus. Hier kannst du tagesgenau nachvollziehen, wo du dich aufgehalten hast.
Du wirst vermutlich überrascht sein, wie weit die Aufzeichnungen zurückreichen. Die Timeline erstellt persönliche Karten, die nicht nur Orte zeigen, sondern auch zurückgelegte Kilometer, verwendete Verkehrsmittel und besuchte Städte dokumentieren. Ein Kalender ermöglicht es dir, durch Monate und Jahre zu blättern – eine Art digitales Tagebuch deines Lebens, nur eben mit Karten statt Bildern.
Standortverlauf komplett deaktivieren
Wenn du die automatische Aufzeichnung stoppen möchtest, führt der Weg über die Google-Kontoeinstellungen. Öffne Maps, tippe erneut auf dein Profilbild und wähle „Einstellungen“ aus. Dort findest du den Menüpunkt „Standorteinstellungen“ oder direkt „Standortverlauf“. Alternativ kannst du auch über einen Browser auf die Google-Kontoeinstellungen zugreifen – das funktioniert am Desktop-PC oft übersichtlicher.
In den Einstellungen siehst du einen Schieberegler beim Punkt „Standortverlauf“. Deaktivierst du diesen, stoppt Google die Aufzeichnung ab sofort. Wichtig zu wissen: Die bereits gespeicherten Daten bleiben zunächst erhalten. Du musst diese separat löschen, wenn du einen kompletten Neustart möchtest. Google weist dich darauf hin, dass manche Funktionen wie personalisierte Routenvorschläge oder Erinnerungen an besuchte Orte dann nicht mehr verfügbar sind.
Einzelne Einträge oder Zeiträume löschen
Vielleicht möchtest du die Timeline grundsätzlich nutzen, aber bestimmte Tage oder Orte aus deiner Historie entfernen. Auch das ist möglich und geht relativ unkompliziert. Navigiere in der Timeline zum gewünschten Tag und tippe auf das Drei-Punkte-Symbol. Hier kannst du „Tag löschen“ auswählen, um alle Einträge dieses Datums zu entfernen.

Für präzisere Eingriffe tippst du auf einen einzelnen Ort in der Timeline. Es öffnet sich ein Fenster mit Details zu diesem Aufenthalt. Über das Mülleimer-Symbol löschst du nur diesen spezifischen Eintrag. Diese Methode eignet sich besonders, wenn du sensible Orte wie Arztbesuche oder private Adressen aus deiner Historie tilgen möchtest, ohne die komplette Timeline zu deaktivieren.
Gesamte Timeline auf einmal löschen
Für einen radikalen Schnitt gibt es die Option, die komplette Standorthistorie zu löschen. In den Standortverlauf-Einstellungen findest du die Option „Gesamten Standortverlauf löschen“. Google fragt mehrfach nach, ob du dir wirklich sicher bist – schließlich lassen sich die Daten nicht wiederherstellen. Nach der Bestätigung werden sämtliche aufgezeichneten Bewegungen unwiderruflich aus deinem Konto entfernt.
Automatisches Löschen einrichten
Eine clevere Mittelweg-Lösung bietet die Funktion zum automatischen Löschen alter Daten. Seit 2025 speichert Google Standortdaten standardmäßig lokal auf deinem Smartphone und löscht diese automatisch nach drei Monaten. Du kannst diese Einstellung aber auch auf 18 oder 36 Monate ändern, falls du deine Daten länger behalten möchtest.
Diese Einstellung findest du in den Aktivitätseinstellungen deines Google-Kontos. Wähle beim Standortverlauf „Automatisch löschen“ und lege den gewünschten Zeitraum fest. Google wendet diese Regel auch rückwirkend an, sodass bereits gespeicherte Daten, die älter als der festgelegte Zeitraum sind, sofort gelöscht werden. Eine praktische Lösung für alle, die Datensparsamkeit mit Komfort verbinden möchten.
Standortgenauigkeit anpassen statt komplett abschalten
Nicht jeder möchte die Timeline vollständig aufgeben. Eine Alternative besteht darin, die Standortgenauigkeit zu reduzieren. In den Android-Einstellungen unter „Standort“ kannst du zwischen verschiedenen Modi wählen. Der „Batteriesparmodus“ nutzt nur WLAN und Mobilfunknetze zur Positionsbestimmung, was weniger präzise ist als GPS, aber auch weniger Daten erzeugt.
Bedenke jedoch, dass diese Einstellung die Navigation beeinträchtigen kann. Für die tägliche Routenplanung brauchst du präzise GPS-Daten. Als Kompromiss könntest du die genaue Standortbestimmung nur dann aktivieren, wenn du sie wirklich benötigst, und sie ansonsten deaktiviert lassen.
Was passiert mit den Daten bei anderen Google-Diensten?
Die Timeline ist nicht der einzige Dienst, der deinen Standort speichert. Google Fotos ordnet Bilder automatisch nach Aufnahmeort, der Assistant nutzt Standortdaten für Erinnerungen, und die Google-Suche liefert ortsbezogene Ergebnisse. Das Deaktivieren des Standortverlaufs betrifft primär die Timeline-Funktion in Maps.
Für umfassenden Datenschutz solltest du auch die Web- und App-Aktivitäten überprüfen, die ebenfalls Standortinformationen enthalten können. Standortdaten können beispielsweise bei deinen Aktivitäten in der Google-Suche und auf Google Maps gespeichert werden, wenn Web- und App-Aktivitäten aktiviert sind. Diese Einstellungen findest du unter den gleichen Aktivitätseinstellungen in deinem Google-Konto.
Praktische Vorteile der Timeline bewusst nutzen
Trotz aller Datenschutzbedenken hat die Timeline durchaus nützliche Seiten. Wer viel reist, kann die Funktion als digitales Reisetagebuch nutzen. Besuchte Städte und zurückgelegte Strecken lassen sich Jahre später noch nachvollziehen – praktisch für Steuererklärungen, Reisekostenabrechnungen oder einfach als Erinnerungsstütze.
Auch im Alltag hilft die Timeline gelegentlich weiter: Wann war ich das letzte Mal in diesem Geschäft? Wo war das Restaurant, dessen Namen ich vergessen habe? Welche Route bin ich gestern zur Arbeit gefahren? Solche Fragen beantwortet die Timeline präzise. Die Kunst besteht darin, die Balance zwischen Nutzen und Privatsphäre zu finden, die zu deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis passt.
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