Warum kluge Reisende im Februar nach Apulien fahren und dabei das achteckige Weltwunder fast allein erleben

Wenn die Winterkälte in Deutschland noch fest im Griff hat, bietet Apulien im Süden Italiens eine überraschend milde Alternative. Castel del Monte, das majestätische achteckige Meisterwerk Kaiser Friedrichs II., thront auf einem Hügel in der Region und wird im Februar zu einem ganz besonderen Reiseziel. Während die Sommermonate Touristenmassen anziehen, verwandelt sich die Landschaft rund um diese UNESCO-Welterbestätte in diesen Wochen in eine ruhige, authentische Kulisse, die wie geschaffen ist für eine Entdeckungsreise mit Freunden. Die milden Temperaturen um 12-15 Grad machen ausgedehnte Erkundungstouren angenehm, und die dramatischen Wolkenformationen über den endlosen Olivenhainen schaffen eine Atmosphäre, die jeden Fotografen ins Schwärmen bringt.

Das achte Weltwunder Apuliens

Castel del Monte ist weit mehr als eine mittelalterliche Festung. Die perfekte Symmetrie dieses achteckigen Bauwerks aus dem 13. Jahrhundert fasziniert Architekten, Mathematiker und Historiker gleichermaßen seit Jahrhunderten. Jede Ecke des Gebäudes birgt ein geometrisches Rätsel, und die Ausrichtung der Fenster folgt astronomischen Berechnungen, die selbst heute noch beeindrucken. Mit Freunden durch diese steinernen Hallen zu wandern bedeutet, in endlose Diskussionen über die Bedeutung der Symbolik zu verfallen – war es ein Jagdschloss, eine astronomische Beobachtungsstation oder ein esoterisches Heiligtum?

Der Eintritt kostet etwa 10 Euro pro Person, aber der Februar bringt manchmal vergünstigte Konditionen oder spezielle Öffnungszeiten mit sich, die es wert sind, vorab online zu prüfen. Die Besucherzahlen sind in diesem Monat so gering, dass ihr das Monument fast für euch allein habt – ein Luxus, den die Hochsaison niemals bieten kann.

Die Umgebung erkunden

Das Schloss mag der Höhepunkt sein, aber die umliegende Landschaft der Murge verdient mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Diese karge, von Trockenmauerwerk durchzogene Hochebene wirkt im Februar besonders mystisch. Nebelschwaden ziehen am Morgen über die Felder, während die ersten Mandelbäume zu blühen beginnen und rosa-weiße Tupfer in die sonst grau-grüne Landschaft setzen.

Für Wanderfreunde bieten sich mehrere unbefestigte Wege an, die vom Schloss aus in verschiedene Richtungen führen. Die alten Pilgerwege und Hirtenpfade sind gut begehbar und führen durch Olivenhaine, vorbei an verfallenen Trulli und zu versteckten Masserie – den traditionellen befestigten Bauernhöfen Apuliens. Plant mindestens eine Halbtageswanderung ein, packt ein Picknick ein und genießt die Stille, die nur vom Wind und gelegentlichen Schafsherden unterbrochen wird.

Authentische Dörfer in der Nähe

Andria, die nächstgelegene Stadt, dient als perfekter Ausgangspunkt. Sie ist weniger touristisch als die bekannteren Küstenstädte, aber genau das macht ihren Charme aus. Schlendert durch die Altstadt mit ihren barocken Kirchen und Palazzi, besucht den lokalen Markt, wo Bauern ihre Produkte direkt verkaufen – Burrata so cremig, dass sie auf der Zunge zergeht, für etwa 3-4 Euro pro Stück, sonnengetrocknete Tomaten und das berühmte Olivenöl der Region zu Preisen, die in Deutschland undenkbar wären.

Corato und Ruvo di Puglia sind weitere Perlen in der Umgebung. Ruvo beherbergt ein faszinierendes archäologisches Museum mit apulischen Vasensammlungen, während Corato für seine Weinproduktion bekannt ist. In kleinen Weinkellereien könnt ihr Primitivo und Nero di Troia probieren – viele Winzer bieten informelle Verkostungen für 5-8 Euro an, bei denen ihr direkt mit den Produzenten ins Gespräch kommt.

Kulinarische Entdeckungen

Apulien im Februar bedeutet auch kulinarische Hochsaison für bestimmte Spezialitäten. Die Orecchiette, die charakteristischen „Öhrchen“-Nudeln, werden noch immer von Hand geformt, und in vielen Gassen könnt ihr den Nonnas dabei zusehen. In familiär geführten Trattorien bekommt ihr ein komplettes Menü – Antipasti, Primi, Secondi und Wein – für 20-25 Euro pro Person.

Probiert unbedingt die Fave e Cicoria, ein einfaches aber göttliches Gericht aus Favabohnenpüree und wildem Chicorée, das perfekt zur Jahreszeit passt. Die Panzerotti, frittierte Teigtaschen gefüllt mit Mozzarella und Tomaten, kosten an Straßenständen etwa 2-3 Euro und sind perfekt für einen Snack zwischendurch. Teilt euch verschiedene Gerichte in der Gruppe, so könnt ihr mehr probieren und dabei noch sparen.

Übernachtungsmöglichkeiten für jedes Budget

In Andria und den umliegenden Dörfern findet ihr Bed & Breakfasts in renovierten Altstadthäusern für etwa 25-35 Euro pro Person im Doppelzimmer. Viele dieser Unterkünfte werden von Einheimischen geführt, die euch mit Insidertipps versorgen und oft ein Frühstück servieren, das eher einem Festmahl gleicht.

Für Gruppen lohnt sich die Suche nach ganzen Apartments oder kleinen Landhäusern, die ihr gemeinsam mieten könnt. Im Februar sinken die Preise deutlich, und für 80-120 Euro pro Nacht bekommt ihr oft ein komplett ausgestattetes Haus mit mehreren Schlafzimmern und Küche. Das ermöglicht es euch, auf lokalen Märkten einzukaufen und gemeinsam zu kochen – ein Erlebnis, das oft zu den schönsten Erinnerungen einer Reise gehört.

Fortbewegung vor Ort

Ein Mietwagen ist für diese Region praktisch unverzichtbar und gibt euch die Freiheit, auch abgelegene Orte zu erreichen. Teilt ihr euch die Kosten unter Freunden, kommt ihr auf etwa 15-20 Euro pro Person für mehrere Tage. Die Straßen sind im Februar wenig befahren, und die Fahrt über die Landstraßen durch die Murge ist ein Erlebnis für sich.

Alternativ gibt es Busverbindungen zwischen den größeren Orten, allerdings mit eingeschränkten Fahrplänen, besonders am Wochenende. Für spontane Typen kann das Teil des Abenteuers sein, für Planungsfreudige eher eine Herausforderung. Die Bahnstrecke verbindet Bari mit Andria, und von dort aus könnt ihr Taxis oder lokale Kleinbusse nutzen.

Ausflüge in die weitere Umgebung

Nutzt Castel del Monte als Basis für weitere Entdeckungen in Apulien. Die Hafenstadt Trani liegt nur 30 Kilometer entfernt und beeindruckt mit ihrer romanischen Kathedrale, die direkt am Meer thront. Im Februar habt ihr die Promenade fast für euch allein, und in den Hafencafés zahlt ihr Winterpreise für den Caffè – etwa 1 Euro statt der sommerlichen 2-3 Euro.

Die berühmten Trulli von Alberobello erreicht ihr in etwa einer Stunde Fahrt. Diese kegelförmigen Steinhäuser wirken im winterlichen Licht besonders märchenhaft, und die Gassen sind angenehm leer. Matera mit seinen Sassi, den uralten Höhlenwohnungen, liegt eineinhalb Stunden entfernt und ist definitiv einen Tagesausflug wert.

Praktische Februar-Tipps

Packt Schichten ein – die Tage können mild sein, aber abends kühlt es deutlich ab, besonders auf dem windigen Hügel von Castel del Monte. Eine wind- und regendichte Jacke gehört ins Gepäck, denn kurze Schauer sind im Februar durchaus möglich, auch wenn sie die Landschaft nur noch atmosphärischer machen.

Die Öffnungszeiten vieler Sehenswürdigkeiten sind in der Nebensaison verkürzt, informiert euch also vorher. Dafür sind die Eintrittspreise oft niedriger, und ihr braucht nirgendwo anzustehen. Restaurants haben teilweise Ruhetage oder öffnen erst später am Abend – fragt in eurer Unterkunft nach aktuellen Empfehlungen.

Der Februar ist auch die Zeit der lokalen Karnevalsfeiern in vielen apulischen Dörfern. Diese sind weniger kommerziell als ihre venezianischen oder rheinischen Pendants, dafür umso authentischer. Bunte Umzüge, lokale Blaskapellen und traditionelle Masken schaffen eine Volksfest-Atmosphäre, bei der ihr willkommen seid mitzufeiern.

Mit einer Mischung aus Kultur, Natur, Kulinarik und der besonderen Ruhe der Nebensaison wird Castel del Monte und seine Umgebung im Februar zu einem Geheimtipp, der zeigt, dass Italien auch jenseits der ausgetretenen Pfade und außerhalb der Hauptsaison seine ganz eigene Magie entfaltet.

Was fasziniert dich am meisten an Castel del Monte?
Die achteckige Geometrie
Die mystische Winteratmosphäre
Die leeren Hallen im Februar
Die astronomischen Rätsel
Die Wanderwege durch die Murge

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