90 Prozent aller Katzen über 12 leiden heimlich an dieser Krankheit: So erkennst du die Anzeichen

Wenn die schnurrende Mitbewohnerin plötzlich beim Sprung auf die Fensterbank zögert oder das einst so glänzende Fell an Rücken und Hinterbeinen stumpf und verfilzt wirkt, steckt häufig mehr dahinter als nur das fortschreitende Alter. Arthrose betreffen etwa 90 Prozent aller Katzen über zwölf Jahren, bleiben aber oft unerkannt – denn Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen.

Die verborgene Last alternder Gelenke

Während Hunde bei Gelenkschmerzen deutlich hinken, zeigen Katzen ihre Beschwerden subtiler: Sie springen seltener, meiden Treppen und vernachlässigen die Körperpflege. Besonders das Putzen schwer erreichbarer Stellen wie Rücken, Schwanzansatz und Hinterbeine erfordert erhebliche Gelenkbeweglichkeit. Wenn diese schmerzbedingt eingeschränkt ist, entstehen verfilzte Fellpartien, Hautprobleme und im schlimmsten Fall bakterielle Infektionen.

Die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle, die weit über die bloße Kalorienzufuhr hinausgeht. Eine optimierte Fütterung kann die Lebensqualität betroffener Katzen deutlich verbessern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Das Gewicht: Der wichtigste Ansatzpunkt

Jedes Gramm Übergewicht belastet arthrotische Gelenke zusätzlich. Bei einer vierbeinigen Fortbewegung wirkt dabei ein Vielfaches des tatsächlichen Körpergewichts auf die Gelenke ein. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern nachweislich den Krankheitsverlauf, weshalb eine kontrollierte Gewichtsreduktion zu den wirksamsten Maßnahmen gehört.

Die Herausforderung: Schmerzbedingt bewegungseingeschränkte Katzen verbrauchen weniger Energie, während ihre Besitzer aus Mitleid oft zu großzügig füttern. Ein Teufelskreis entsteht. Die Lösung liegt in hochwertigem, proteinreichem Futter mit moderater Kaloriendichte und strikter Portionskontrolle – niemals in radikalen Hungerkuren, die bei Katzen zu lebensbedrohlicher Leberverfettung führen können.

Entzündungshemmende Nährstoffe in der Diskussion

In der Tiermedizin werden verschiedene Nahrungsergänzungen diskutiert, die Entzündungsprozesse in den Gelenken beeinflussen sollen. Dazu gehören Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, Grünlippmuschelpulver, Glucosamin, Chondroitin und Kollagenhydrolysat. Die wissenschaftliche Datenlage zu diesen Supplementen bei Katzen ist allerdings unterschiedlich belastbar.

Einige Tierärzte berichten von positiven Erfahrungen mit diesen Ergänzungen, während kontrollierte Studien teils widersprüchliche Ergebnisse liefern. Die individuelle Reaktion kann stark variieren – was bei einer Katze funktioniert, zeigt bei der anderen möglicherweise keine Wirkung.

Omega-3-Fettsäuren: Potenzial mit Einschränkungen

EPA und DHA, zwei langkettige Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, werden eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Wichtig ist das Verhältnis zu Omega-6-Fettsäuren im Gesamtfutter, da ein Ungleichgewicht die gewünschten Effekte abschwächen kann.

Hochwertige Fischölpräparate speziell für Katzen sollten verwendet werden, falls eine Supplementierung erwogen wird. Lebertran ist ungeeignet, da er zu viel Vitamin A enthält. Auch pflanzliche Omega-3-Quellen wie Leinöl funktionieren bei Katzen kaum, da sie die Alpha-Linolensäure nur sehr ineffizient in EPA und DHA umwandeln können. Die genaue Dosierung sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Weitere diskutierte Supplemente

Grünlippmuschelpulver aus neuseeländischen Muscheln enthält Glykosaminoglykane, die als Bausteine des Gelenkknorpels gelten. Die Qualität des Produkts spielt eine entscheidende Rolle – kaltverarbeitetes Pulver bewahrt die empfindlichen Wirkstoffe besser.

Glucosamin und Chondroitin gelten seit Jahrzehnten als klassische Gelenkergänzungen. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch widersprüchlich, und die Bioverfügbarkeit scheint bei Katzen geringer zu sein als bei Hunden. Dennoch berichten manche Halter von Verbesserungen.

Kollagenhydrolysat gehört zu den neueren Ansätzen. Spezielle Kollagenpeptide sollen in den Gelenkknorpel gelangen und dort die Produktion neuer Knorpelmatrix anregen können. Die Studienlage bei Katzen ist allerdings noch dünn.

Antioxidantien als Ergänzung

Entzündliche Gelenkerkrankungen gehen mit erhöhtem oxidativem Stress einher. Vitamin E, Vitamin C und Selen können als Radikalfänger wirken. Auch Grüner Tee-Extrakt enthält Polyphenole mit möglicher entzündungshemmender Wirkung – allerdings nur in koffeinfreier Form und niedriger Dosierung, da Katzen Polyphenole schlechter vertragen als andere Spezies.

Was die Fütterungspraxis erschwert – und wie man es löst

Die größte Hürde ist nicht das theoretische Wissen, sondern die praktische Umsetzung. Arthrotische Katzen mit Schmerzen sind oft mäkelig, verweigern Futter mit Zusätzen und fressen unregelmäßig.

  • Supplemente in einer kleinen Menge besonders schmackhaftem Nassfutter verstecken – vor der Hauptmahlzeit geben
  • Flüssige Präparate sind oft besser akzeptiert als Pulver
  • Geschmacksneutrale Gelatinekapseln können bei besonders heiklen Katzen helfen
  • Niemals alle Supplements gleichzeitig einführen – schrittweise über zwei bis drei Wochen aufbauen
  • Die Fellpflege unterstützen durch weiches Bürsten der schwer erreichbaren Stellen

Realistische Erwartungen und Geduld

Ernährungsanpassungen sind keine Wundermittel. Erste Verbesserungen zeigen sich frühestens nach vier bis sechs Wochen, oft erst nach drei Monaten. Die Effekte sind subtil: Die Katze springt vielleicht noch nicht wieder auf den Schrank, aber sie beginnt, sich wieder häufiger zu putzen. Sie meidet die Treppe weniger konsequent. Das Fell wird allmählich glänzender.

Diese Ernährungsstrategien ersetzen keine tierärztliche Behandlung. Den betroffenen Katzen kann durch Schmerztherapie, Gewichtsreduktion und Optimierung der Ernährung geholfen werden. Schmerzmittel bleiben oft unverzichtbar, lassen sich durch optimierte Ernährung aber möglicherweise niedriger dosieren. Jede Katze ist unterschiedlich – was bei einer funktioniert, zeigt bei der anderen keine Wirkung.

Die Mühe lohnt sich dennoch: Eine Katze, die sich wieder putzen kann, gewinnt ein Stück ihrer Würde zurück. Und wenn sie eines Morgens wieder aus eigener Kraft auf ihren Lieblingsplatz am Fenster springt, sind alle Anstrengungen vergessen. In diesen kleinen Momenten zeigt sich, dass Ernährung weit mehr ist als nur Nahrungsaufnahme – sie ist ein Werkzeug, um Lebensqualität zu schenken, auch wenn die Jahre an Kraft kosten.

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