Wenn die Sommersonne im Februar über den Nordwesten Argentiniens brennt und die farbigen Berge in warmes Licht taucht, gibt es kaum einen besseren Ort für ein romantisches Wochenende als Purmamarca. Dieses verschlafene Andendorf mit seinen gut 700 Einwohnern liegt eingebettet zwischen spektakulären Felsformationen, die in allen Schattierungen von Rot, Orange, Violett und Grün leuchten. Wer als Paar eine Auszeit vom Alltag sucht und dabei nicht tief in die Tasche greifen möchte, findet hier eine perfekte Mischung aus atemberaubender Natur, authentischer Kultur und entspannter Atmosphäre.
Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch
Purmamarca wirkt, als wäre die Zeit vor Jahrhunderten stehengeblieben. Die Adobe-Häuser mit ihren dicken Lehmwänden schmiegen sich an die Berghänge, während Kakteen und niedrige Büsche die karge Landschaft punktieren. Der zentrale Plaza, umgeben von einer historischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert und schattenspendenden Algarrobo-Bäumen, bildet das schlagende Herz des Ortes. Hier pulsiert das Leben – gemächlich, versteht sich. Einheimische verkaufen an kleinen Ständen handgewebte Textilien, Keramik und Schmuck aus Alpaka-Wolle. Die Preise sind moderat, und ein wenig freundliches Verhandeln gehört zur Kultur dazu. Für einen handgefertigten Schal oder eine bunte Mütze zahlt man zwischen 8 und 15 Euro, ein schönes Mitbringsel oder Andenken an diese besondere Reise.
Der Berg der sieben Farben
Das absolute Highlight und der Grund, warum die meisten Besucher nach Purmamarca kommen, ist zweifellos der Cerro de los Siete Colores – der Berg der sieben Farben. Diese geologische Sensation erhebt sich direkt hinter dem Dorf und zeigt in horizontalen Streifen verschiedene Mineralschichten, die über Millionen von Jahren entstanden sind. Im Februar, wenn die Regenzeit langsam dem Herbst weicht, sind die Farben besonders intensiv. Die Feuchtigkeit bringt die Rottöne zum Glühen, während das klare Licht die subtileren Grau-, Gelb- und Rosatöne hervorhebt.
Der Paseo de los Colorados, ein gut ausgeschilderter Rundweg von etwa drei Kilometern, führt direkt um diese Farbenpracht herum. Die Wanderung dauert ungefähr eineinhalb Stunden und ist auch für weniger geübte Wanderer machbar. Trotz der Höhenlage von rund 2.300 Metern ist der Weg nicht allzu anstrengend, wenn man es langsam angeht. Packt ausreichend Wasser ein und startet früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn das Licht am schönsten ist und die Hitze erträglicher wird. Der Eintritt zum Wanderweg kostet etwa 1,50 Euro – ein lächerlich geringer Preis für ein solches Naturschauspiel.
Weitere Entdeckungen in der Umgebung
Wer ein verlängertes Wochenende plant oder einfach mehr sehen möchte, sollte sich die Quebrada de Humahuaca nicht entgehen lassen. Diese dramatische Schlucht erstreckt sich über 155 Kilometer und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit einem Mietwagen oder günstigen Überlandbussen lassen sich mehrere Dörfer entlang der Quebrada erkunden. Die Salinas Grandes, riesige Salzwüsten auf über 3.400 Metern Höhe, liegen etwa eine Stunde Fahrt entfernt. Die endlose weiße Fläche unter dem tiefblauen Himmel bietet surreale Fotomotive, besonders wenn sich Wolken in den kleinen Wasserpfützen spiegeln.
Ein weiterer lohnender Ausflug führt nach Tilcara, einem größeren Ort mit einer gut erhaltenen präkolumbianischen Festung. Der Eintritt zur archäologischen Stätte kostet etwa 3 Euro, und der Blick von den Ruinen über das Tal ist die Mühe des Aufstiegs definitiv wert.
Fortbewegung ohne großes Budget
Purmamarca selbst erkundet man am besten zu Fuß. Das Dorf ist so klein, dass man von einem Ende zum anderen nicht länger als zehn Minuten braucht. Für Ausflüge in die Umgebung gibt es mehrere Optionen. Die günstigste Variante sind Überlandbusse, die mehrmals täglich zwischen den verschiedenen Orten der Region verkehren. Eine Fahrt nach Tilcara oder Humahuaca kostet zwischen 2 und 4 Euro pro Person und Strecke.

Wer flexibler sein möchte, kann sich mit anderen Reisenden zusammentun und ein Auto für einen Tag mieten. Die Kosten liegen bei etwa 40 bis 60 Euro pro Tag, geteilt durch vier Personen wird das sehr erschwinglich. Die Straßen sind größtenteils gut ausgebaut, und das Fahren durch die Berglandschaft ist ein Erlebnis für sich. Tanken ist in Argentinien verhältnismäßig günstig, sodass die Spritkosten das Budget nicht sprengen.
Übernachten wie die Einheimischen
Die Übernachtungsmöglichkeiten in Purmamarca reichen von einfachen Hostels bis zu charmanten Mittelklassehotels. Für Paare, die Privatsphäre schätzen, aber nicht zu viel ausgeben möchten, gibt es zahlreiche familiengeführte Gästehäuser mit Doppelzimmern zwischen 30 und 50 Euro pro Nacht. Diese kleinen Unterkünfte haben oft mehr Charakter als anonyme Hotelketten und die Gastgeber geben wertvolle Tipps zu versteckten Ecken und lokalen Geheimtipps.
Viele Unterkünfte bieten ein einfaches Frühstück mit regionalem Brot, Marmelade und Mate-Tee. Die Zimmer sind meist spartanisch eingerichtet, aber sauber und gemütlich. Wichtig ist eine gute Heizung oder ausreichend Decken, denn nachts können die Temperaturen im Februar durchaus auf 10 Grad fallen, während es tagsüber über 25 Grad warm wird.
Kulinarische Entdeckungen zum kleinen Preis
Die regionale Küche des Nordwestens unterscheidet sich deutlich von dem, was man in Buenos Aires findet. Hier dominieren Mais, Kartoffeln, Ziegenfleisch und Lama die Speisekarten. Empanadas, die gefüllten Teigtaschen, bekommt man an kleinen Ständen rund um den Plaza für etwa 1 bis 1,50 Euro pro Stück. Drei bis vier Stück machen satt und sind ein perfektes Mittagessen für unterwegs.
Für ein komplettes Abendessen in einem der einfacheren Restaurants zahlt man als Paar zwischen 20 und 30 Euro. Locro, ein herzhafter Eintopf mit Mais, Bohnen und Fleisch, oder Humita, eine Art Maispudding, sind typische Gerichte, die man probieren sollte. Dazu passt ein lokales Bier oder ein Glas Wein aus den nahen Weinregionen von Salta – beides überraschend günstig und von guter Qualität.
Wer noch mehr sparen möchte, kauft auf dem kleinen Markt frisches Obst, Gemüse, Brot und Käse ein und bereitet ein Picknick vor. Mit Blick auf die bunten Berge schmeckt ein einfaches Brot mit Ziegenkäse besser als jedes Gourmetmenü.
Die richtige Zeit für Zweisamkeit
Der Februar eignet sich hervorragend für einen Besuch in Purmamarca. Die Hauptregenzeit neigt sich dem Ende zu, was bedeutet, dass gelegentliche Schauer die Luft klären und die Farben intensivieren, ohne die Pläne allzu sehr zu beeinträchtigen. Die Vegetation zeigt sich von ihrer grünsten Seite, und die Bäche führen noch Wasser – ein seltener Anblick in dieser normalerweise trockenen Region.
Zudem ist Februar noch nicht Hochsaison. Die Massen der argentinischen Winterurlauber, die im Juli kommen, sind fern, und das Dorf behält seine ruhige, entspannte Atmosphäre. Für Paare bedeutet das: mehr Zweisamkeit an den schönsten Aussichtspunkten, kürzere Wartezeiten in Restaurants und authentischere Begegnungen mit Einheimischen, die Zeit für ein Gespräch haben.
Die Sonnenuntergänge sind im Februar besonders spektakulär. Wenn die letzten Strahlen die Bergspitzen treffen und die Farben noch einmal in voller Pracht aufleuchten, versteht man, warum dieses kleine Dorf so viele Herzen erobert. Ein Glas argentinischer Rotwein, eine warme Decke und dieser Ausblick – mehr braucht es nicht für einen perfekten Abend zu zweit. Purmamarca beweist eindrucksvoll, dass die schönsten Reiseerlebnisse nicht teuer sein müssen, sondern dort entstehen, wo Natur und Kultur auf authentische Weise zusammenkommen.
Inhaltsverzeichnis
