Wenn der Februar graue Wintertage mit sich bringt, sehnen sich viele nach einem Tapetenwechsel – am besten ohne das Reisebudget zu sprengen. Genau jetzt lohnt sich ein Blick nach Siebenbürgen, wo die mittelalterliche Stadt Sighișoara mit verschneiten Dächern, leeren Gassen und einer märchenhaften Atmosphäre lockt. Während andere Reiseziele im Winter überteuert oder überlaufen sind, bietet diese rumänische Perle im Februar authentische Erlebnisse zu erstaunlich niedrigen Preisen – ideal für Paare, die gemeinsam in eine andere Epoche eintauchen möchten.
Warum Sighișoara im Februar die perfekte Wahl ist
Der Februar gehört zur Nebensaison in Siebenbürgen, was bedeutet: kaum Touristen, günstige Unterkünfte und eine Ruhe, die man in den Sommermonaten vergeblich sucht. Die Temperaturen liegen meist zwischen -5 und 5 Grad Celsius, doch genau diese winterliche Kulisse verleiht der ohnehin schon mittelalterlichen Stadt einen zusätzlichen Zauber. Wenn Schnee die Kopfsteinpflastergassen bedeckt und die bunten Häuser der Oberstadt aus dem Weiß hervorstechen, fühlt man sich wie in einem lebendigen Geschichtsbuch. Für Paare ist dies die perfekte Gelegenheit, Hand in Hand durch verlassene Gassen zu schlendern, ohne von Menschenmassen gestört zu werden.
Die Altstadt erkunden: UNESCO-Welterbe zum Anfassen
Das Herzstück von Sighișoara ist die Zitadelle, eine der letzten bewohnten mittelalterlichen Festungen Europas. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: Neun erhaltene Türme, enge Gassen und Häuser aus dem 14. Jahrhundert prägen das Stadtbild. Der Stundturm thront über allem und beherbergt ein Museum, das die Geschichte der Stadt dokumentiert. Der Eintritt kostet etwa 5 Euro pro Person – ein echtes Schnäppchen für die Fülle an Informationen und den spektakulären Ausblick von oben.
Die überdachte Schülertreppe mit ihren 175 Stufen verbindet die Unterstadt mit der Oberstadt und war früher der Weg für Schüler zur Bergkirche. Im Februar sind die Stufen oft verschneit und rutschig, aber mit festem Schuhwerk gut zu bewältigen. Oben angekommen wartet nicht nur die beeindruckende Kirche, sondern auch ein Panoramablick über die verschneiten Dächer der Stadt, der besonders in den frühen Morgenstunden oder bei Sonnenuntergang romantisch wirkt.
Auf den Spuren von Dracula
Sighișoara ist der Geburtsort von Vlad Țepeș, besser bekannt als Vlad der Pfähler – die historische Inspiration für Bram Stokers Dracula. Das Geburtshaus in der Zitadelle ist heute ein kleines Museum und Restaurant. Auch wenn der Dracula-Mythos touristisch ausgeschlachtet wird, lohnt sich ein Besuch des Hauses für den historischen Kontext. Im Februar sind die Räume angenehm leer, sodass man in Ruhe die Ausstellungsstücke betrachten kann, ohne sich durch Besuchergruppen zu drängen.
Kulinarische Entdeckungen zu kleinem Preis
Die rumänische Küche ist herzhaft, wärmend und perfekt für kalte Februartage. In den kleinen Gaststätten der Altstadt bekommt man traditionelle Gerichte zu unschlagbaren Preisen. Eine Portion Sarmale (gefüllte Kohlrouladen) kostet etwa 4-6 Euro, Mămăligă (Maisbrei) mit Käse und saurer Sahne gibt es für 3-5 Euro. Für ein komplettes Abendessen zu zweit mit Vorspeise, Hauptgericht und lokalem Wein sollte man mit 20-30 Euro rechnen – und dabei satt und zufrieden den Tisch verlassen.
Besonders empfehlenswert sind die kleinen Konditoreien, in denen hausgemachtes Gebäck und Kürtőskalács (Baumstriezel) angeboten werden. Für 2-3 Euro pro Person kann man sich mit süßen Leckereien aufwärmen, während man durch die Gassen schlendert. Ein heißer Tee oder Glühwein in einer der urigen Cafés kostet selten mehr als 2 Euro.
Übernachten ohne das Budget zu sprengen
Im Februar sinken die Unterkunftspreise deutlich. Charmante Gästehäuser innerhalb der Zitadelle, die im Sommer 60-80 Euro pro Nacht kosten, sind jetzt oft schon für 30-45 Euro zu haben. Diese traditionellen Häuser bieten authentisches Ambiente mit dicken Mauern, Holzbalken und oft einem Kamin im Gemeinschaftsraum. Viele Gastgeber servieren ein reichhaltiges Frühstück, das im Preis inbegriffen ist – mit hausgemachter Marmelade, frischem Brot und lokalen Spezialitäten.

Wer noch sparsamer reisen möchte, findet außerhalb der Zitadelle moderne Apartments ab etwa 25 Euro pro Nacht. Diese bieten den Vorteil einer eigenen Küche, in der man sich gelegentlich selbst versorgen kann, um die Reisekasse zu schonen.
Ausflüge in die Umgebung
Sighișoara ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die siebenbürgische Landschaft. Die nahe gelegenen sächsischen Kirchenburgen sind UNESCO-Welterbe und im Winter besonders stimmungsvoll. Mit lokalen Bussen oder Minivans kommt man für 3-5 Euro in Dörfer wie Biertan oder Viscri, wo die Zeit noch langsamer zu vergehen scheint. Die Kirchenburgen thronen majestätisch über verschneiten Feldern und verlassenen Dorfstraßen – ein Anblick, der tief beeindruckt.
Für Naturliebhaber bieten sich Wanderungen in den umliegenden Hügeln an. Die Landschaft ist im Februar karg, aber gerade deshalb reizvoll: kahle Bäume zeichnen sich gegen den grauen Himmel ab, vereinzelte Bauernhöfe durchbrechen die Weite. Mit guter Winterkleidung und festem Schuhwerk lassen sich auch bei niedrigen Temperaturen schöne Stunden in der Natur verbringen.
Fortbewegung: Einfach und günstig
Die Altstadt von Sighișoara erkundet man am besten zu Fuß – sie ist kompakt und alle Sehenswürdigkeiten liegen in Gehweite. Für Ausflüge in die Umgebung sind lokale Busse die wirtschaftlichste Option. Eine Fahrt in die Nachbarstädte kostet zwischen 2 und 6 Euro. Die Busbahnhöfe sind gut ausgeschildert, und auch wenn Englischkenntnisse nicht überall vorhanden sind, helfen Einheimische gerne weiter.
Wer flexibler sein möchte, kann ein Auto mieten. Die Preise beginnen im Februar bei etwa 15-20 Euro pro Tag bei lokalen Anbietern. Die Straßen sind im Winter teilweise verschneit oder vereist, daher sollte man nur mit entsprechender Fahrerfahrung und Winterausrüstung unterwegs sein.
Praktische Tipps für den Februarbesuch
Warme Kleidung ist unerlässlich. Mehrere Schichten, gefütterte Winterstiefel mit guter Profilsohle und Handschuhe gehören ins Gepäck. Die Gassen sind oft vereist, rutschfestes Schuhwerk ist daher wichtig. Viele Unterkünfte haben keine Zentralheizung im modernen Sinne, sondern werden mit Öfen beheizt – das gehört zum authentischen Erlebnis, kann nachts aber kühl werden.
Die Restaurants und Cafés haben im Winter oft verkürzte Öffnungszeiten. Es lohnt sich, das Mittagessen zwischen 12 und 14 Uhr einzuplanen und abends nicht zu spät zu essen. Viele kleinere Lokale schließen bereits um 21 oder 22 Uhr.
Geldautomaten gibt es in der Stadt, aber es schadet nicht, etwas Bargeld dabei zu haben, da nicht überall Kartenzahlung möglich ist. Die Preise sind generell in rumänischen Lei ausgezeichnet, aber die Umrechnung ist unkompliziert – ein Euro entspricht etwa 4,9 Lei.
Romantik und Gemeinsamkeit
Für Paare bietet Sighișoara im Februar eine besondere Intimität. Die leeren Gassen laden zu langen Spaziergängen ein, bei denen man sich ganz aufeinander konzentrieren kann. Abends in einer der kleinen Gaststätten bei Kerzenschein zu sitzen, während draußen der Schnee fällt, schafft Momente, die man nicht vergisst. Die Stadt ist klein genug, um sich nicht zu verlaufen, aber groß genug, um immer wieder neue Ecken zu entdecken.
Die gemeinsame Entdeckung einer weniger bekannten Destination schweißt zusammen und schafft eigene Geschichten abseits der ausgetretenen Touristenpfade. In Sighișoara spürt man noch echtes Leben hinter den alten Mauern – keine Kulisse für Touristen, sondern eine Stadt, die ihre Geschichte bewahrt hat, ohne sie zu musealisieren. Genau das macht den Charme aus und lässt einen mit dem Gefühl zurückkehren, etwas Besonderes erlebt zu haben.
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